Gray Audograph - Geschichtliches

Der Audograph wurde von der Firma Gray Manufacturing Company of Hartford (Connecticut, USA) im Jahre 1945 vorgestellt. Nach dem diese Firma viele Jahre vor allem für seine Münztelefone bekannt geworden ist, kam sie nun mit einem Diktiergerät auf den amerikanischen Markt. Zu diesem Zeitpunkt gab es als Tonaufzeichnungsgeräte nur Stahldrahtrecorder - das Magnetband kämpfte mit technischen Schwierigkeiten und ließ noch auf sich warten.

Das hier vorgestellte Gerät zeichnete den Ton auf dünnen, beidseitig nutzbaren, durchsichtig blauen Schallfolien (Vinyl-Discs) auf, indem es spiralförmig eine modulierte Schallplattenrille von innen beginnend zum Rand der Platte hin schneidet. Damit ist es nah am Phonograph anzusiedeln.


Diese Audograph-Geräte fanden in den USA recht weite Verbreitung. Aufnahmen wurden als „Gray-Audogram“ in entsprechenden Kuverts kreuz und quer durchs Land geschickt. Aber heute wären sie jedoch längst völlig vergessen, wenn sie nicht in einem der bedeutensten Attentats-Fälle des letzten Jahrhunderts eine Rolle gespielt hätten.
Als am 22. November 1963 John F. Kennedy durch die Straßen von Dallas fuhr, hatte man zusätzlich zum regulären Polizeifunkkanal einen weiteren Kanal für die Wagenkolonne des Präsidenten eingerichtet. Beide Funkkanäle wurden aufgezeichnet. Kanal eins lief auf ein Gerät namens Dictabelt. Der Kanal der Wagenkolonne wurde auf einem Gray Audograph wie diesem hier aufgezeichnet.
(Der letzte Link ist ein Soundfile - Geduld bitte!)

Beide Maschinen nutzen eine sehr ähnliche Technologie und gravieren den Ton in eine weiche Plastik-Oberfläche: Dictabelt nutzte eine zylindrische Anordnung - der Audograph die schallplattenähnliche Scheibe.

Die mit diesen Maschinen gemachten Tonaufnahmen gehören heute zu den wohl am gründlichsten analysierten Soundschnipseln der Welt und man kann sie noch heute im Internet anhören

Die Aufkärung des Attentats konnten diese Aufnahmen jedoch nicht bewirken aber viele ältere Amerikaner wissen deshalb heute noch, was ein Audograph ist. Die Firma Gray ging 1976 bankrott. Das abgebildete Gerät ist Bestandteil meiner Sammlung und funktioniert wieder. Mit dabei sind ein Gerätekoffer, das Mikrofon und einige unbespielte Schallfolien.
Fotos © Benno

Kommentare:

  1. Kürzlich erzählte mir ein älterer Herr, dass er eine Platte von seinem Vater hat: 1938 hat er in in Berlin auf der Straße ein Gedicht aufgesagt und konnte dank einer mobilen Schallplattenpresse seine Tonaufzeichnung gleich mitnehmen. Nun suche ich ... und finde das hier. Meine Frage: Gab es vor Gray schon ein Gerät, dass kleine "schwarze" bespielte? Ich will auch sowas!!! :-)

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  2. Es gab natürlich schon vorher mobile Schallaudzeichnung - aber wohl eher rein mechanisch.

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